MAGELLAN PINGUINE

(Spheniscus magellanicus)

Brutgebiete:           Chile, Argentinien und die Falkland Inseln

Körpergrösse:       70 cm

Weltbefölkerung:   1 600 000 brütende Paare

 

Magellan Pinguine kommen nur auf den Falkland Inseln und in Südamerika; aber in diesen Regionen leben sehr viele davon. Auf den Falkland Inseln gibt es über 100 000 brütende Paare, aber das ist immer noch wenig verglichen mit den 1 500 000 brütenden Paaren in Südamerika. Brutkolonien reichen vom Golf San Matías in Argentinien, über die Tierra del Fuego Inseln im Süden, der Pazifikküste im Norden, bis nach Coquimbo .

 

Der Magellan Pinguin ist ca. 70 cm gross, und bringt im Durchschnitt ca. 4 kg auf die Waage. Der Kopf und der Oberkörper sind schwarz, abgesehen von zwei ausgedehnten weissen Streifen unterhalb des Halses. Der eine Streifen geht aufwärts, vorbei hinter der Wange und oberhalb des Auges, bis es in der rosa Mundöffnung verläuft. Der zweite verläuft (an den ersten Streifen anstossend) abwärts bis zu den Beinen. Weibchen sind etwas kleiner als die Männchen, aber haben ein ähnlich gezeichnetes Gefieder

 

Pinguine aus der Gattung der Spheniscus, zu denen Magellan, Humpold und Galapagos Pinguine gehören, siedeln in viel weitläufigeren Kolonien als andere Pinguinarten. Sie bauen Ihre Nester in Erdhöhlen -  wenn es die Beschaffenheit des Bodens zulässt - und haben folglich mehr Abstand untereinander als Pinguine, die Ihre Nester an der Oberfläche bauen. Besonders die Kolonien der Magellan Pinguine breiten sich häufig über mehrere Kilometer Küste aus. Die Dichte variiert dabei von 0,001 Nest/m² bis 0,1 Nest/m².

 

Magellan Pinguine sind in der Gegend weit verbreitet. Sie mögen besonders küstennahe Inseln mit Grasbüschel oder kleineren Büschen. Solche Inseln gibt es um die Falklandinseln, die Tierra del Fuego und die Pazifikküste Chiles im Überfluss. Solche Inseln haben tiefe Erdschichten die zum Bau von Erdhölen geeignet sind und dichte Vegetation, die Schutz vor Räubern bieten. Die argentinische Atlantikküste ist viel trockener und ist mit weniger Vegetation bedeckt, aber sie ist trotzdem für ca. 650 000 brütende Paare eine Heimat von den viele an der Erdoberfläche oder unter Büschen nisten. Magellan Pinguine ziehen es vor in Erdhölen zu nisten, aber wenn es die Bodenbeschaffenheit nicht zulässt, nisten Sie auf der Oberfläche und nutzen dabei jeden Schutz den Sie bekommen können.

 

Erwachsene Tiere kommen im September am Nistplatz an, heben ein neues Erdloch aus oder setzen ein verlassenen Erdloch in Stand und beginnen Mitte Oktober mit der Eiablage. Zwei gleich grosse Eier werden im Abstand von vier Tagen gelegt. Jedes Ei bringt ca. 125 g auf die Wage. Das Ausbrüten der Eier benötigt ca. 40 Tage. Das Weibchen übernimmt dabei die erste Schicht, während das Männchen auf See jagt. Er sucht dabei bis zu 500 km von dem Nest entfernt nach Futter, bevor er nach 15 bis 20 Tagen zurückkehrt und das Weibchen ablöst. Sie geht dann für einen ähnliches Zeitraum auf See. Die beiden Vögel wechseln sich dabei solange in regelmässigen Intervallen ab, bis dass die Küken schlüpfen.

 

Während der darauffolgenden 30 Tage wechseln sich beide Eltern dabei ab die Küken zu bebrüten. Diese werden täglich gefüttert; ein erwachsener Pinguin verlässt die Kolonie am frühen Morgen um später am Tag mit Futter zurückzukehren. Während dieser Periode jagen Magellan Pinguine in einen Entfernung von 40 km vom Nest. Eine Ausnahme bilden hier die Falkland Inseln, da der Jagderfolg der Pinguine durch kommerzielles Fischen beeinträchtigt wird. Wenn die Küken grösser werden, und mehr Futter benötigen, werden die Jagdausflüge länger und die Küken müssen dann unter Umständen mehrere Tage zwischen den Malzeiten warten.

 

Am Ende der 30 Tage habe die Küken ihr  Gefieder entwickelt und können vorsichtig die Bruthöhle verlassen. In diesem Stadium unterscheiden sich die Jungtiere sehr stark von den Erwachsenen. Sie sind oben bräunlich grau und unten cremig weiss. Dadurch dass die Jungtiere in Bruthölen leben, sind Sie gut sowohl vor Räubern, als auch vor schlechtem Wetter geschützt. Das erlaubt beiden Elternteilen die Bruthöhe zu verlassen und nach Nahrung zu suchen. Das ist auch der Grund warum Magellan Pinguine keine „Kindergärten“ bilden, wie es die meisten an der Oberfläche brütenden Spezies tun.

 

Die Bruthöhlen bieten einen guten Schutz vor den meisten Wetterbedingungen, aber schwere Regenfälle können die Bruthöhlen überschwemmen. Küken ertrinken nur selten unter diesen Bedingungen, werden aber oft durchnässt und frieren. Das Federkleid der Küken isoliert sehr gut solange es trocken ist, aber es fehlen die wasserabweisenden und isolierenden Qualitäten, die das Federkleid eines erwachsenen Pinguins aufweist. Viele Küken können unter solchen Umständen an Unterkühlung sterben. Das Leben in Bruthölen bringt es auch mit sich, dass sowohl Küken als auch Erwachsene Tiere von Pinguin Flöhen befallen werden.

 

Obwohl die beiden Eier ungefähr die gleiche Grösse haben, legen die Erwachsenen bei dem Füttern die Priorität auf das zuerst geschlüpfte Küken. Hierdurch resultiert eine höhere Sterblichkeitsrate unter den zweitgeschlüpften Küken. Trotzdem gelingt es den Magellan Pinguinen häufig beide Küken erfolgreich gross zu ziehen, wenn genug Futter gefangen werden kann. Normalerweise liegt die Erfolgsrate zwischen 1,0 und 1,6 Küken pro brütendem Paar in Südamerika. Auf den Falkland Inseln, wo die Pinguinbevölkerung schrumpft, liegt die Erfolgsrate nur bei durchschnittlich 0,8 Küken pro Paar. Erschwerend kommt hinzu, dass Pinguine normalerweise keine zusätzliche Eier legen, wenn Sie Ihre Brut verloren haben.

 

Bei gutem Wetter sitzen grössere Küken oft vor dem Eingang der Bruthöle. Bei ersten Anzeichen von Gefahr verkriechen sich die Küken schnell wieder in der Bruthöhe. Abhängig davon, wie gut genährt die Küken sind, werden die Jungtiere zwischen der neunten und der siebzehnten Lebenswoche flügge. Eben flügge gewordene Vögel sehen ähnlich aus wie die erwachsenen Tiere, ausser dass Sie etwas grauer sind, und Ihnen die klare Zeichnung fehlt.

 

Die nun nachlassenden elterlichen Verpflichtungen erlauben es den erwachsenen Tieren einige Zeit auf See zu verbringen, Gewicht zuzulegen und sich auf die jährliche Mauser vorzubereiten. Die Mauser dauert drei bis vier Wochen.

 

Um ein komplettes neues Federkleid zu produzieren wird eine Menge Protein benötigt, obwohl die Pinguine während dieser Periode nicht essen können. Das Meerwasser ist ziemlich kalt. Die Pinguine würden erfrieren, wenn Sie versuchen würden während der Mauser mit Ihren ausfallenden Federn zu schwimmen.

 

Es ist daher sehr wichtig für die Pinguine vor der Mauser Fettreserven aufzubauen. Diese Reserven speichern nicht nur die Energie und das Protein, das für das Wachstum der neuen Federn benötigt wird, sondern helfen auch dabei das Tier warm zu halten, da die Fettschicht direkt unter der Haut angelegt wird.

 

Nach der Mauser verlassen die Erwachsenen den Nistplatz und bleiben bis zur nächsten Brutsaison auf See. Dabei schwimmen die Pinguine die Atlantikküste von Argentinien und Uruguay hoch um zu überwintern (in der südlichen Hemisphäre wird es in der Jahresmitte Winter). Auf den Falklands gibt es während der Wintermonate nur etwa 8 Stunden Tageslicht. Weiter nördlich ist es bis zu 12 Stunden täglich hell. Das gibt den Pinguinen mehr Zeit Ihr tägliches Futter zu fangen.

 

Während des Winters bleiben die Pinguine die ganze Zeit auf See. Dabei halten sich die Pinguine einige Kilometer von der Küste entfernt, essen und schlafen auf See. Pinguine schlafen nicht so wie wir es tun, sondern in sehr kurzen Intervallen jeweils in Abhängigkeit davon,  wie lange das Tier die Luft anhalten kann.

 

Viele Menschen denken, dass ein Pinguin sehr lange die Luft anhalten kann. Aber das ist normalerweise nicht der Fall. Magellan Pinguine halten selten länger als zwei bis drei Minuten die Luft an.

 

Die Körpergrösse bestimmt wie viel Sauerstoff gespeichert werden kann, um unter Wasser zu bleiben. Deshalb können grössere Pinguine länger die Luft anhalten, als kleinere. Kaltblüter wie Schildkröten verbrauchen sehr viel weniger Energie als Warmblüter wie Pinguine oder Seelöwen, da diese Sauerstoff verbrauchen um daraus Körperwärme zu gewinnen. Deshalb können Schildkröten auch länger (bis zu 2 Stunden) unter Wasser bleiben.

 

Magellan Pinguine haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 20 Jahren. Weibchen könne schon mit 4 Jahren geschlechtsreif werden, während Männchen normalerweise nicht brüten, bevor Sie mindesten 5 Jahre alt sind. Dies ist sehr wahrscheinlich der Grund weshalb die Männchen in der Überzahl sind. Hierdurch wird es für unerfahrene Weibchen einfacher einen Partner zu finden, als für alleinstehende Männchen. Magellan Pinguine bleiben normalerweise Ihrem Nistplatz und Ihrem Partner treu. Die partnerschaftlichen Bande werden durch gegenseitige „Fellpflege“ verstärkt.

 

Was die Nahrungsaufnahme angeht, sind Magellan Pinguine Opportunisten. Sie fressen zu etwa gleichen Anteilen Fisch (z.B. Micromesistius australis, Sprattus fuegensis, Engraulis anchoita, Merluccius hubbsi, Patagonotothen sp., Austroatherina sp., Myxinus sp.), Tintenfisch (Loligo gahi, Gonatus antarcticus, Moroteuthis ingens, Onychoteuthis sp.) und Krustentiere (Munida gregaria). Während Küken grossgezogen werden, werden die täglichen Jagdausfüge normalerweise bei Tageslicht durchgeführt; ausser auf den Falkland Inseln, wo es schwieriger ist Nahrung zu finden. Die Vögel jagen normalerweise in Tiefen bis zu 50 m, können aber bis zu 100 m tief tauchen. Im Winter können die Vögel bei der Nahrungssuche oft Raubzüge weit über ihre normalen Brutgebiete hinaus unternehmen; gelegentlich  in nördlicher Richtung bis nach Brasilien.

 

Die Anzahl der Magellan Pinguine ist auf den Falkland Inseln während der 80er und 90er Jahre dramatisch zurückgegangen. Verglichen mit der Brutsaison 1990/91 ist die Gesamtbevölkerung an Pinguinen in der Saison 2000/01 auf weniger als 30% zurückgegangen und die Tendenz ist immer noch fallend. Im benachbarten Chile ist in der gleichen Zeit der Pinguinbestand stabil geblieben.

 

Vergleicht man Pinguin Kolonien auf den Falklands und in Chile, so erhärtet sich der Verdacht, dass das Schrumpfen der Pinguinbestände auf den Falklands vor allen Dingen durch den Wettbewerb mit den kommerziellen Fischern verursacht wird. Erwachsene Pinguine in Chile können Ihre Küken alle 16 bis 18 Stunden mit Nahrung versorgen. Auf den Falkland Inseln werden ca. 35 Stunden benötigt, um die gleiche Menge Futter zu finden.

 

Dadurch, dass die Küken nur halb soviel Nahrung erhalten, kann auch nur eine geringere Überlebensrate erwartet werden und das wird auch durch die Forschungsergebnisse bestätigt. Während der letzten Jahre war der Bruterfolg in Chile (durchschnittlich 1.35 Küken/Nest) substanziell höher als auf den Falkland Inseln (durchschnittlich 0,82 Küken/Nest). Dieser grosse Unterschied bei dem Bruterfolg reicht aus, um den Rückgang der Pinguinpopulation zu erklären. Wenn auf den Falkland Inseln nicht genügend Küken gross gezogen werden, kann die natürliche Sterblichkeitsrate bei den Erwachsenen Tieren nicht ausgeglichen werden.

 

Unabhängig von der Herkunft (sowohl Falkland Inseln als auch Südamerika) begegnen Magellan Pinguine auf See auch natürlichen Räubern wie Seelöwen, Seeleoparden und Orcas (Killer Wale). Auch die Küken sind Räubern aus der Luft, wie z.B. Möwen und Riesenraubmöwen ausgesetzt. Wo Pinguine in Erdhölen nisten, sind Verluste durch solche Räuber stark vermindert.

 

Magellan Pinguine sind bei Touristen sehr beliebt, jedoch sind sie die scheuesten von allen Pinguinarten. Nähert sich ein Besucher einer Kolonie die nicht regelmässig besucht wird, so suchen die Pinguine hastig in Ihren Erdhölen Schutz. Aber Magellan Pinguine gewöhnen sich schnell an regelmässige Besuche und Ihre Nervosität lässt mit der Zeit sehr stark nach. Trotzdem sind sorgfältige Kontrollen notwendig, da die Erdhölen der Magellan Pinguine einstürzten, wenn man darauf tritt.

 

Einfache Einzäunungen, die die Besucher auf zwei bis drei Meter Distanz zu den Erdhölen halten sind alles was benötigt wird, damit beide Seiten (Touristen und Pinguine) davon profitieren. Die Pinguine sind nicht nur davor geschützt in Ihren Erdhölen zerquetscht zu werden, Sie lernen auch sehr schnell dass Menschen nicht in den abgezäunten Bereich eindringen und bleiben zutraulich und für alle gut sichtbar vor Ihrer Erdhöle sitzen. In uneingezäunten Kolonien dagegen werden Besucher wenig mehr sehen als davonhuschende Pinguine und Pinguingesichter die ängstlich aus Ihren Höhlen starren.

 

Text (im Englischsprachigen Original) von Mike Bingham